Wally_Bistrich_Portrait Künstlerischer Werdegang

Wally Bistrich fiel in der Schule durch ihre Zeichenbegabung auf. Ihre Altstadtskizzen warf sie mit dem gleichen stumpfen Bleistift aufs Papier mit dem sie im Geometrieunterricht mathematische Zeichnungen anfertigte. Der Mathematiklehrer runzelte die Stirn, immerhin stimmten die rechnerischen Lösungen, ihrem Kunstlehrer, dem Homburger Maler Hermann Theophil Junker gefielen die selbstbewussten dunklen Linien, die sich zu Häusern zusammenfügten. Mit 17 begann sie mit der Ölmalerei und mischte in ihren Bildern figurative und abstrakte Elemente. Doch gab es noch Neues in der Malerei zu entdecken? – Inzwischen gestalteten Künstler Bilder aus Lebensmitteln und allerlei Fundstücken, in der Malerei schien alles schon ausgereizt zu sein, sie entschied sich daher für ein Studium der Informatik, dort war Neuland zu entdecken, warteten geistige Abenteuer…

Nach einer Reihe von Jahren in der Software-Branche und einer persönlichen Krise kehrt sie 2007 zur Malerei zurück, zunächst mit Landschaftsbildern. Auf der Suche nach einer zeitgenössischen Form der Landschaftsdarstellung entstanden neben einer Reihe von Querformaten ihre „Landscape Essences“. Die extremen Hochformate stellten Landschaften wie durch einen Spalt in einem Zaun gesehen dar. In dem schmalen Bildformat wurden Landschaftselemente im Bild gleichsam „gestapelt“. 2012 beginnt sie auszustellen. Zu diesem Zeitpunkt wechselt sie immer wieder zwischen Öl und Acrylmalerei, immer noch auf der Suche nach dem eigenen Weg zur Farbe. „Ich liebe es, mich draußen in der Natur aufzuhalten. Die schwungvolle Linienführung einer Landschaft inspiriert mich ebenso wie die Nahansicht etwa auf eine Baumrinde.“ Doch die reine Abbildung der Landschaft genügt ihr nicht, ist ihr zu brav. In ihren Gedanken prüft sie jedes Bild: „Wenn die unangepasste 15-Jährige, die ich einmal war, den Kopf schüttelt, dann ist ein Bild durchgefallen – ich suche in meiner Malerei die geistige und auch handwerkliche Herausforderung.“

Sukzessive wendet sie sich der innovativen Acrylmalerei zu. Die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Acrylfarben haben den Malern inzwischen Möglichkeiten eröffnet, von denen frühere Generationen nicht einmal träumen konnten. Diese neuen Chancen auszuloten, hat sie sich zur Aufgabe gesetzt. Gleichzeitig fühlt sie sich der traditionellen Malerei verpflichtet, sie arbeitet nur mit hochwertigen Künstlerfarben und verzichtet auf Mittel und Techniken, die die Haltbarkeit des Bildes gefährden. Seit 2012 entwickelt und verfeinert sie ihre „Frozen Color Technique“, Bilder mit stark glänzender Oberfläche, die je nach Betrachtungswinkel und Beleuchtung immer wieder anders erscheinen.

Einige ihrer neueren Bilder zeigen einen dunklen Hintergrund mit metallisch schimmerndem Farbschichten. „Als ich sieben Jahre alt war, bekam ich einen Kasten mit besonders vielen Farbstiften zum Geburtstag geschenkt. Besonders einige Magenta und Violetttöne erzeugten auf der dunklen Schultafel einen seltsamen Zauber, zogen mich förmlich ins Bild hinein. Doch dann begannen wir im Unterricht nur noch auf weißen Zeichenblöcken zu Malen und der Zauber dieser Farbstifte war verloren.“ In den Serien „Baumkathedralen“ und „Magic Woods“ lässt Bistrich vor dunklem Bildhintergrund ungewöhnlich vibrierende Farben leuchten. Es ist eine Hommage an diesen Farbkasten von einst.

Andere Bilder erinnern an Wasser oder Eisflächen. Die meisten Werke aus der Reihe „Frost“ nehmen tatsächlich ihren Anfang an Wintertagen und -nächten mit deutlichen Minusgraden, draußen auf dem Balkon: für die untersten Farbschichten nutzt sie Temperaturunterschiede, um an Eis erinnernde Oberflächen zu erzeugen. Im Atelier werden dann die weiteren Schichten aufgetragen. Ausstellungsbesucher können oft nicht widerstehen, diese ungewöhnlichen Bildoberflächen heimlich anzufassen.

Während Bistrich malt, ist für den Beobachter oft nicht erkennbar, wie sich das Bild verändern wird. Eine milchig-weiße Schicht wird aufgetragen, meist lässt sich nur erahnen, welcher Farbton gerade aufgetragen wird. Je nach Witterung und Schichtdichte dauert es einen Tag bis mehrere Wochen, bis sich im Laufe des Trocknungsprozesses die endgültige Farbgebung zeigt. Erst dann kann die nächste Schicht aufgetragen werden.

Inzwischen hat Wally Bistrich begonnen, in diesen Wartezeiten einen neuartigen Malgrund für sich zu entdecken, der von amerikanischen Künstlern seit etwa 20 Jahren genutzt wird: Auf synthetischem Papier entstehen in den unfreiwilligen Acrylmalpausen abstrakte Aquarelle und Aquarell/Gouache-Arbeiten. Durch die besonderen Oberflächeneigenschaften widersetzt sich das kristallweiße synthetische Papier konventionellen Maltechniken und eröffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten durch subtraktives Malen.

Sobald eines der begonnenen Acrylbilder zum Weitermachen bereit ist, trägt sie die nächste Acrylschicht auf. Anschließend ist auch meist ein weiteres Werk für den nächsten Malschritt bereit. Obwohl ihre Bilder im spontanen Dialog mit der Maloberfläche entstehen, wird der Malprozess in seiner Gesamtheit oft sehr genau geplant: 2014 gelingt es ihr nach einjähriger Vorarbeit die obere Farbschicht eines Bildes aufzuschlitzen, das Bild „teilzuhäuten“ und aufzuklappen, die nunmehr nach außen gewendete Unterseite schimmert wie bei einem gehäuteten Tier.

Wenn Wally Bistrich nicht mit Malen beschäftigt ist, ist sie in der Natur oder in ihrem Garten zu finden. Lesen in der Hängematte gehört auch dazu.

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