Farbtiefe und Textur

Detail"Gefrorenes Fernweh I"
Detailansicht "Gefrorenes Fernweh I"

„In meinen abstrakten Landschaften spielen Farbtiefe und Textur eine wichtige Rolle. Ich erforsche die neuen Möglichkeiten, die sich der abstrakten Acrylmalerei im 21. Jahrhundert bieten und von denen die Maler früherer Jahrhunderte nicht einmal träumen konnten: Gele und Spachtelmassen, Interferenz- und irisierende Farben, Malmittel, die den Glanzgrad oder die Konsistenz der Farbe verändern. Dabei will ich den besonderen Charakter der Acrylfarbe betonen, die Bilder sollen also weder an Aquarelle noch an Ölbilder erinnern. Mein Arbeitstitel für diese Technik lautet „Frozen Color“.

„Frozen Color“- Bilder sind plastisch, aus vielen dicken und dünnen, meist lasierenden Schichten aufgebaut. Trotz der Betonung des haptischen Aspekts behält die Farbe (paint) immer ihre dem Bild dienende Funktion (colour), ich benutze sie nicht als plastischen Selbstzweck.

„Farbtiefe“ bedeutet für mich, dass ich in jedem Bild nur ein eingeschränktes Farbspektrum verwende, meist sind es im Farbkreis benachbarte Farben, diese jedoch in feinsten Abstufungen. Diese Farben setzte ich dann in Bezug zu einem hellen Farbton oder einem Indigo-Ton (niemals reines Schwarz), der dann als „Rahmen“ für die Komposition dient.

Alle meine Acrylbilder entnehmen ihre Inspiration aus der Natur: der erlebten Natur oder Fotos, die in der Natur aufgenommen wurden. Manchmal erschliesst sich für den Betrachter der Bezug zur Landschaft unmittelbar, manchmal nur noch andeutungsweise. Viele Jahre habe ich Landschaften relativ naturgetreu gemalt, teils in dünnen Öllasuren, später dann in Acryl. Langsam entfernte sich meine Maltechnik von der realistischen Darstellung hin zur zeitgenössischen abstrahierenden Landschaften. Meine so praktizierten Malkenntnisse nutze ich nun, um Natureindrücke frei zu interpretieren.

Immer wieder sehe ich, wie (eigentlich) zeitgenössische Maler Bilder malen, die zwar handwerklich hervorragend sind, aber genauso gut vor 100 Jahren entstanden sein könnten. Mein Ansatz ist es, Bilder zu malen, die sichtbar Kinder des 21.Jahrhunderts sind. Andererseits lehne ich Malweisen ab, bei denen beliebiges, chemisch instabiles Malmaterial, häufig unter „Mixed Media“ subsummiert, für Bilder verwendet wird. Als freiwillige Selbstbeschränkung habe ich mir auferlegt, nur mit haltbaren, uv-stabilen Malmaterialien zu arbeiten. Es muss möglich sein, zeitgemäß zu malen und gleichzeitig auch, wie in der traditionellen Malerei, den Erkenntnissen der Materialkunde gerecht zu werden. Hierzu verlasse ich mich nicht nur auf die Angaben der Hersteller, sondern mache ich auch immer wieder selbst Materialproben, um z.B. ähnliche Produkte verschiedener Hersteller miteinander zu vergleichen.

Meine Bilder entstehen langsam, mehrere „wachsen“ nebeneinander, Schicht um Schicht. Dazwischen muss das eine oder andere Bild eine Ruhephase einhalten, damit die Schichten durchhärten können. Manchmal habe ich viele Bilder in Arbeit, keinen weiteren Platz mehr zur Verfügung und kann nicht mehr in Acryl weitermalen. Dann widme ich mich einer anderen innovativen Malweise, nämlich dem Malen mit Aquarell- und Gouachefarben auf synthetischem Papier. Auch hier gibt es noch Neuland zu entdecken.

Das zentrale Thema meiner Malerei bleibt jedoch die Frage „Was kann Acrylfarbe, Acrylmedium, und wie kann ich sie auf ungewöhnliche Art nutzen? Gleichzeitig will ich mich nicht auf Techniken fixieren,  meine Bilder sollen nicht um jeden Preis maltechnisch interessant sein, auch das Auge des Betrachters, seine Phantasie soll überrascht werden. Ich will nicht Grenzen brechen, sondern den Raum des Möglichen erweitern .“